Nee Schorsch, des war net schee!

Im vielleicht schlechtesten Saisonspiel schlugen die Kickers Schlußlicht
Neunkirchen äußerst glücklich mit 1:0 und wurden für eine miserable Leistung
mit drei extrem wichtigen Punkten belohnt.

Nur wenige der gut 4.000 "Bergpilger" anläßlich des letzten echten Heimspiels
dieser Saison - gegen Schweinfurt wird auf fremdem Boden, möglicherweise auf
Bornheims Hang angetreten - hatten eine schöne Partie mit spielerischen
Highlights gegen den abgeschlagenen Absteiger und so gut wie insolventen
saarländischen Traditionsklub erwartet. Allerorts war man sich einig, der
"überlebensnotwichtige" (Rolf Töpperwien) Dreier wäre das eigentlich
entscheidende und den sollte man wohl einfahren können gegen das
Schlußlicht, das freilich zuletzt die Halberg-Filtertruppe besiegt hatte.

Wie es dann aber kam, war es auch für leidensfähige OFC-Remis-Beobachter
ziemlich heavy. Dabei fing es nicht übel an, in der ersten Viertelstunde nahm der
OFC das Heft in die Hand und erspielte sich einige Chancen, die beste resultierte
aus Angelo Barlettas fulminantem 25-Meter-Schuß, den Saarkeeper Purket
gerade noch so an die Latte zu lenken vermochte. Im Hinspiel hatte der alles
andere als hünenhafte Torsteher übrigens - erste annähernde Duplizität der
Ereignisse - fast den gleichen Ball nicht halten können und damit den OFC auf
die Siegesstraße gebracht.

Dann stellte sich mir nichts dir nichts der große Bruch ein: fortan ging so gut wie
nichts mehr, die Laufwege stimmten nicht mehr, jedes dritte Zuspiel erreichte
noch den eigenen Mann, Konfusion und Chaos beherrschten plötzlich den
OFC-Auftritt und Murren machte sich auf den Rängen breit, zumal man die
Neunkirchener nun konsequent starkspielte. Allerdings muß man eingestehen,
daß das Gästeteam angesichts der "Goldenen Ananas", die am "Bersch" zu
gewinnen war, erstaunlich engagiert und beherzt auftrat und - für alle
erkennbar - der Vereinschronik nur zu gerne einen Sieg auf den
traditionsreichen Höhen Biebers hinzugefügt hätte. Die Saarländer spielten sich
zusehends gegen den konfusen, indisponierten OFC frei und nahmen das Heft in
die Hand. Daraus resultierten zwangsläufig Torchancen, zumal gegen die
diesmal nicht sattelfeste Kickers-Abwehr (wieder mit Dario Fossi), so daß Cesar
Thier bald deutlich mehr zu tun hatte als sein zunehmend beschäftigungsloser
Gegenüber Purket.

Halbzeit zwei erbrachte nun aber nicht die erhoffte Steigerung und das
ersehnte, kampfbetonte "Grasfressen" des OFC, um die so wichtige
Anti-Abstiegs-Punkte-Dosis inhalieren zu können, sondern noch mehr Konfusion
und Konzeptionslosigkeit im Spiel unserer rotbedreßten Helden. Nicht daß sie
nicht gewollt hätten, aber ich mußte mich als mitleidender, fingernägelkauender
Betrachter wiederholt an die Aussage Gottfried Benns erinnern: "Wenn Kunst
von Wollen käme, müßte sie Wunst heißen." Und das war es, was uns fehlte,
Spielkunst und Spielkultur sowie taktisches Verständnis. Es konnte einem Angst
und bange werden, wenn man die rasenden Zeiger der Uhr verfolgte und sich
vergegenwärtigte, daß der OFC in Durchgang 2 so gut wie gar nicht vor dem Tor
des Gegners auftauchte, da man sich in aller Regel im Mittelfeld verhedderte
oder festbiß und folglich die wenigen ankommenden Pässe sicherheitshalber in
Richtung Thier gingen.

Jedoch: gegen Neunkirchen war uns schon einmal das Glück hold gewesen,
warum also nicht erneut?! Außerdem sprach ich bereits von einer Duplizität der
Ereignisse und die sollte tatsächlich eintreten. Es geschah, als sich der
eingewechselte, eigentlich verletzte Christian Müller bei einer der ansonsten
nicht gerade vielversprechenden Aktionen an der Strafraumgrenze von den
Beinen holen ließ und damit in Minute 77 einen Elfer herausholte, den 8 von 10
Schiris nie und nimmer gegeben hätten. In Neunkirchen war es noch Saridogan
gewesen, der sich clever hatte foulen lassen und dafür den zweifelhaften
Strafstoß zugesprochen bekam. Sage noch einer was vom "Scheiß DFB"!

Angelo Barletta ist als nervenstarker Elfmeterschütze bekannt - neben dem
wenige Minuten zuvor ausgewechselten Patrick Falk - und er ließ auch diesmal,
wie in Neunkirchen, wo er seinerzeit sogar zweimal schießen "durfte", nichts
anbrennen: 1:0 für Rot, aus dem Spiel heraus wäre das magische Tor an diesem
Abend gewiß nicht gefallen, und dies völlig unverdient aber so wahnsinnig
wichtig! Und es wurde noch unverdienter, da sich die mit ihrem Schicksal und
dem Schiedsrichter hadernden schwarzweißen Borussen aufrappelten und
nochmals alles nach vorne warfen, um den gerechten Lohn für ihre Arbeit doch
noch zu erhalten. Sie setzten unsere auch nach der Führung nicht locker
aufspielenden Cracks in der Schlußphase gehörig unter Druck und man mußte
sich - bei einer einzigen, durch fehlende Übersicht kläglich vergebenen
Kontergelegenheit - schwer atmend über die letzten Minuten und Sekunden
zittern.

Nun, es gelang, der Fußballgott war an diesem Tag tatsächlich einmal
Offenbacher und belohnte das jammervolle Kickers-Spiel mit den ersehnten drei
Punkten. Dadurch ist der Klassenerhalt in ganz greifbare Nähe gerückt und der
Vorsprung vor den Abstiegsplätzen und auf die noch schwer rudernden Lilien,
Siegerländer und Stukis wieder auf fünf Zähler angewachsen. Ein Pünktchen
noch aus drei Spielen und der Käse dürfte gegessen sein.

Die Zuschauer freilich waren angesäuert bis Unterkante Oberlippe und ließen
ihrem Unmut freien Lauf, pfiffen sich die Seele aus dem Leib und den gestreßten
Sieger gehörig aus. Teilweise feierten sie sogar die wackeren Saarländer in
bitterer Ironie. Nicht so toll fand ich es, daß Ramon Berndroth, der quasi
entschuldigend vor Block 2 trat, mit einem wüsten Pfeifkonzert abgeschmettert
wurde. Er gilt nun einmal vielen OFC-Fans als der Vater des derzeit
unappetitlichen OFC-Spiels, auch wenn diese Sichtweise etwas ungerecht und
einseitig sein mag.

Dabei ist nämlich immer noch nicht die Frage geklärt, ob es nicht vornehmlich
das Spielermaterial bzw. die Qualität des Kaders ist, was uns soviele
Enttäuschungen beschert. In meiner Sicht sind diese Akteure völlig damit
überfordert, ein Spiel aktiv zu gestalten. Das mag 15, 20 oder bisweilen sogar 30
Minuten lang funktionieren, dann tritt in schöner Regelmäßigkeit der Bruch ein
und der Faden geht völlig verloren. Die vorsichtige Auswärts-Rumpeltaktik
hingegen scheint man im Schlaf zu beherrschen, nur kann man die eben dem
heimischen Publikum nicht gegen den Tabellenletzten präsentieren.

44 Zähler aus 33 Spielen, für diese Mannschaft eigentlich ein sensationelles
Ergebnis im Punktesammel-Wettbewerb. Wir werden uns sicher noch zu zwei
oder gar drei Punkten "rumpeln" und den Klassenverbleib auf dem Papier noch
recht souverän sichern. Wir spielen eben bloß wie ein Absteiger, sind aber
keiner! Ansonsten gilt: schütteln, "abbuzze", den Kick gegen Neunkirchen und
einige andere so schnell wie möglich vergessen oder wenigstens verdrängen und
auf bessere Zeiten bzw. auf unser Lamm im Wolfspelz setzen. Herr Lamm, bitte
walten Sie Ihres Amtes und zwar möglichst radikal!

Mich selbst entschädigte übrigens nach dem Zitterkick die 200-Meter-Mitfahrt
auf dem kultigen Traktor der gleichnamigen Front und der anschließende Abend
mit netten Leuten im Strandbus. Von den insgesamt 14 Spielern, die zum Einsatz
gekommen waren, hätte es dagegen wohl keiner verdient gehabt, mit flotten 18
km/h "Trecker" fahren zu dürfen. Die hätte man besser das liebevoll restaurierte
Agrarteil zum Strandbus schieben lassen! ;-)

Nun noch eine Handvoll Bildchen vom Grottenkick, um auch der fotografischen
Chronistenpflicht zu genügen:
An diesen gut motivierten Neunkirchenern
hätte man sich fast die Zähne ausgebissen
Cesar Thier sollte überraschenderweise mehr zu tun
bekommen als sein Gegenüber Sascha Purket
Actionszenen aus dem Abstiegskrimi. Leider ging es
öfter als erwartet in Richtung OFC-Tor
Nur selten spielte sich das Geschehen im Borussia-Strafraum ab
Nazir Saridogan am Boden, auch der OFC war selten obenauf
"Bersch"-Besucher müssen leidensfähig sein
Halbzeit in Bieber, würde im
2. Durchgang alles besser
werden? Pustekuchen!