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Hallo ....., Hallo ....., ich versuche, nochmals einen Aspekt der ganzen Aktion herauszustreichen, der für mich letztlich der entscheidende ist: die Eintracht war zwar zumeist der höchstklassig spielende Club, nie aber die unbestrittene Nr. 1 Hessens unter den Fußballfans und im Selbstverständnis der Vereine. Dazu gibt es zu viele Traditionsvereine mit hohen Ansprüchen, die - zumindest zeitweilig - gleichauf mit der Eintracht im Rennen um die Publikumsgunst lagen. In den 20er- bis 40er-Jahren etwa stand der FSV Frankfurt stets deutlich vor der gerade erst durch Fusionen zustande gekommenen Eintracht (deren gerne beschworene 103-jährige Tradition fußt auf einer besonders vorteilhaften Auslegung der eigenen Geschichte) und bei Gründung der Bundesliga hatte der OFC rational betrachtet das gleiche Anrecht der Berücksichtigung wie die Eintracht, nur daß ein Herr Gramlich dies damals elegant überging. Bis heute hat sich etwa in Offenbach die Vorstellung von einer eklatanten Benachteiligung des OFC gegenüber der Eintracht gehalten, bestätigt noch durch Auswirkungen des Bundesligaskandals und vorschnelle Lizenzentzüge. Diese Fußballphilosophie - man kann sie auch Verschwörungstheorie nennen, wenn man mag - ist bis heute die Integrationsklammer des Vereins, der erst im Spannungsverhältnis zur Eintracht aufblüht und sich gerade dadurch ein für einen Regionalligisten außergewöhnliches Fanpotenzial erhalten hat. Auch die Lilien - ..... weiß ein Lied davon zu singen - waren zeitweilig erst- und zweitklassig und fühlen sich wie der OFC in einem Konkurrenzverhältnis zur Eintracht, wobei dies auf Offenbacher Seite noch ausgeprägter ist. Egal ob in Oberliga- oder Zweitligazeiten, die Hälfte der Sprechchöre der Fans auf dem Bieberer Berg befassen sich traditionell mit dem ungeliebten Nachbarn. Der FSV schließlich wähnt sich - nicht ganz zu Unrecht - von der Eintracht jahrzehntelang an die Wand gedrückt und als Traditionsverein ungerecht behandelt, da von dieser in die Rolle eines reinen Bornheimer Stadtteilklubs hineingepreßt. Und in Nordhessen, wo sich der traditionsreiche KSV Hessen Kassel nach langen Jahren ganz unten gerade wieder bis in die Oberliga hochgekämpft hat, bestehen traditionell große Vorbehalte gegen die Dominanz südhessischer Vereine im Bundesland. Was sonst nie möglich wäre, in einer Großdemo gegen die Lizenzvergabe für die Eintracht bekäme man die Fans all dieser Clubs "einträchtig" in einer großen Runde zusammen. Dazu kommt schließlich, daß die Eintracht im Lande seit vielen Jahrzehnten als großkotziger, arrogant geführter Verein gilt und deswegen auch bei den zahllosen Anhängern kleinerer hessischer Vereine nicht beliebt ist. Bei historischen Befragungen für eine Studie über Wetterau-Gemeinden in den 20er-Jahren sagte einmal ein alter Rodheimer Sozialdemokrat - dies bloß ein illustrierendes Beispiel am Rande - zu mir: "wir sind immer zum Arbeitersport gegangen, wir hätten auch zur Eintracht gehen können, aber mit den arroganten Gesellen wollten wir alle nichts zu tun haben!" Soweit diese Beschreibung. Was will ich damit sagen: Die Situation ist in Hessen nicht eindeutig, dafür aber umso brisanter und mit sehr, sehr vielen Emotionen verbunden. Der Anspruch der landesweit nicht sehr beliebten Eintracht, die unbestrittene Nr. 1 zu sein, findet keine allgemeine Anerkennung. Nicht von ungefähr hat RMV-Sparmann (eigentlich ein Treppenwitz, wie jemand dieses Namens SGE + RMV managt!) vor Wochen gesagt: "wenn wir herunter müssen, werden hier andere unsere Position einnehmen." Exakt das ist es und beschreibt das Problem, die anderen stehen bzw. standen schon in den Startlöchern, um endlich die ungeliebte Eintracht zu beerben, die ihrerseits ja genug Angriffsflächen geboten hatte, auch moralisch abgelehnt zu werden. Und dann hat plötzlich mit Roland Koch ein Politiker in dieses sich gerade entfaltende Kräftespiel eingegriffen und die Eintrach protegiert, gegen die anderen, wie diese es zurecht empfinden mußten. Und machen wir uns bitte nichts vor, lieber ..... und lieber ....., hätte Koch sich hier nicht in dieser Weise eingeschaltet, wäre die Eintracht AG spätestens nächsten Montag beim Konkursrichter, wie wir alle wissen. Wenn man der Eintracht eher zugeneigt ist, wird man die Sache als Hilfestellung für einen bedrohten Profiverein der Region zu klassifizieren geneigt sein, hat man aber - wie eben zahlreiche Hessen - traditionell keinerlei Affinität zur Eintracht, muß man dies gänzlich anders interpretieren und sich von der politischen Führung hintergangen fühlen. Dazu ist der Gegenstand einfach zu brisant und emotionsbehaftet, als etwa als OFC- oder Liliensympathisant solches einfach gleichmütig hinnehmen zu können, zumal dort die feste (und wohl nicht von der Hand zu weisende) Überzeugung vorherrscht, ihren Vereinen wäre auch als Zweitligist - und ich erinnere daran, daß die Offenbacher Kickers in der vergangenen Regionalligasaison lange auf einem Aufstiegsplatz standen - in vergleichbarer Situation keine entsprechende Hilfestellung der Politik verabreicht worden. Dazu kommt natürlich stets noch der zumindest emotionale Aspekt, daß der DFB das seine dazu tun würde, seinen "Hausverein" zu protegieren. Alles in allem also ein hochbrisantes, emotionales Wespennest, in das Roland Koch hier ziemlich schnodderig und uneinfühlsam hineingestochen hat. Der Mindestvorwurf aber, den man ihm machen muß, ist es, hier die emotionale Komponente und die Frage der Akzeptanz nicht wirklich bedacht zu haben. Hätte er dies getan, wäre es schlicht eine unglaubliche Dreistigkeit des Ministerpräsidenten. Dazu kommt natürlich noch erschwerend der Umstand, daß der Rückhalt der Eintracht gerade bei der Frankfurter Stadtbevölkerung - und dies kann ich nun wirklich beurteilen - in den letzten Jahren rapide zurückgegangen ist. Ein solches Desinterese, wie es in dieser "Bankenmetropole" gegenüber Eintracht Frankfurt vorherrscht, wäre etwa in Offenbach gegenüber dem OFC völlig undenkbar. Schließlich kommt desweiteren hinzu, daß hier ein Stützungskartell aus staatlichen, öffentlichen und halböffentlichen Institutionen von Koch und Sparmann auf den letzten Drücker zusammengezimmert wurde, das draußen im Lande so einfach nicht vermittelbar ist. Die Wendung vom VEB Eintracht macht überall die Runde und ist, wie auch Du ..... es zugestanden hast, nicht sehr weit entfernt von der Realität. Abschließend bitte ich nochmals zu verstehen, daß man - wenn man bei einem anderen Verein als der Eintracht emotional engagiert ist - keine Wahl hat, als die Vorgänge der letzten Tage und Wochen als Verschwörung bzw. Komplott der Landespolitik und speziell der CDU aufzufassen. Ich meine, noch eine gewisse Abstraktionsfähigkeit zu besitzen, und - trotz der ausgesprochenen Wut und Erregung, die mich hier befallen hat - ein wenig über den Tellerrand hinausschauen zu können. Viele sind dazu aber nicht in der Lage und für diese sind Eintracht Frankfurt und die CDU-Hessen nunmehr wirklich zum erklärten Erzfeind geworden. Dies ist aufgrund meiner Darlegungen immerhin nachzuvollziehen. Roland Koch hätte hier nie und nimmer in das freie Spiel der Kräfte eingreifen dürfen. Dies war eine politische und emotionale Dumm- und Plumpheit, ja Instinktlosigkeit allererster Güte. Auch ich werde lange brauchen, diesen Namen wieder ohne Zorn aussprechen zu können. In diesem Sinne verbleibt mit besten Grüßen Euer Stephan |
Ffm, 04.07.2002 |
