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Fazit: Wenn ich "angerollert" komme, ist sogar das Saarland eine Reise wert! Einer kultigen Fahrt in eine kultige Stadt mit kultigem Stadion und einem kultigen, allerdings derzeit reichlich abgehalfterten und quasi insolventen Traditionsklub mit kultverdächtiger Hymne stand die übliche, nervöse und mal wieder auf Zufall und Gottes Hilfe ausgerichtete OFC-Spielweise entgegen. Nun, der da oben hat geholfen, indem er Angelo Barletta zu seinem Sonntagsschuß inspirierte, als eigentlich der eher bescheiden und rustikal agierende Gastgeber so etwas wie leichtes Oberwasser bekommen zu haben schien. Outsider würden den holprigen Kickers-Kick in der Ellenfeld-Kampfbahn vielleicht auf den hügeligen Rasen oder die orkanartigen Winde in und um Neunkirchen zurückführen mögen, wir OFC-Kenner wissen freilich, daß dies unser hochgeschätzter und 0:0-bewährter Rumpelfußball war, den manche schon gar nicht mehr missen mögen. ;-) Das Ende der Partie war dann freilich schon sehenswert und das stimmgewaltige Auftreten des 200-Kopf-Häufleins der OFC-Fans im menschenleeren Geisterstadion zu Neunkirchen aller Ehren wert, nachdem man kurz zuvor noch in bitterem Sarkasmus den möglichen Punkt-"Gewinn" mit erstaunlich harmonischem Gesang zur Melodie von "Ein Freund, ein guter Freund" gefeiert hatte: " Ein 0, ein 0:0, das ist das schönste, was es gibt auf der Welt ......". ;-) Immerhin, der Dreier ist da und das an der Saar (reimt sich fast!), wo wir doch in schöner Regelmäßigkeit mit 0 Punkten die Segel zu streichen pflegen. 5 Punkte Polster zur "Abstiegsliga" sollten etwas Mut und Auftrieb geben und die mental auf mich instabil wirkenden OFC-Kicker(s), meist mehr Wollen als Können ausstrahlend, motivieren, etwas weniger zaghaft, dafür aber planvoller die nächsten Begegnungen anzugehen. Durch sind wir nämlich noch lange nicht, es fehlen 12 Punkte. Ob wir einen der dazu erforderlichen 4 Siege, 12 Unentschieden sind bei 10 verbleibenden Partien leider nicht möglich ;-), schon am Freitag gegen Hoffenheim, welches uns gar nicht so schlecht zu liegen scheint, holen werden? Mal schauen, ob unsere ewig junge und ewig unerfahrene Truppe - für Nicht-Insider: das war leicht ironisch gemeint ;-) - nun etwas eleganter die Kurve kriegt. In der Spielbewertung muß ich diesmal komplizierte Berechnungen anstellen, um auf meine 4 Punkte zu kommen. Eigentlich müßte ich sogar noch höher greifen, wollte ich das phänomenal seltene Erlebnis eines OFC-Dreiers - wenn ich freilich auswärts mit von der Partie bin, ist er eben erfahrungsgemäß beinahe wahrscheinlich - ebenso in Rechnung stellen wie den kultigen Charakter des Trips. Aber 5 Pünktchen für eine Partie, die bis zum versöhnlichen Ende vom üblich holprigen Gebolze und Gestochere geprägt war, wären denn doch zu krass. Das Spielniveau liegt zwischen 2 und 3, Barlettas "Torhunger" hat hingegen mindestens 5 Punkte verdient. Die geile Fahrt mit dem Silberpfeil (wie mein Kultroller liebevoll von mir genannt wird) ins saarländische Grenzland, das Flair der in die Jahre gekommenen Bergarbeiterstadt sowie das megascharfe Ellenfeld-Stadion mit den kunstvoll gekachelten First-Class-Toiletten kann ich freilich nur mit 6 Punkten beziffern. Meine Spielbewertung: **** |
Borussia Neunkirchen - OFC 0:2 (0:0) |
Na bitte, es geht doch! Drei Punkte aus der saarländischen Kultstadt |
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Leider reicht es bei mir meist nur zu drei oder vier Auswärtsfahrten in einer Saison, die ich dann mit meinem pfeilschnellen Suzuki-Sofaroller zu Kulttrips zu gestalten suche. Die Vergangenheit spricht eine klare Sprache: wenn ich auswärts dabei bin, wird fast immer gewonnen, ganz im Gegensatz zum "Bersch", an dem ich auf das übliche 0:0 leider keinen Einfluß nehmen kann. Ein 2:2 bei Eintracht Trier war denn auch schon das schlechteste aus OFC-Sicht, was ich in den letzten sechs Jahren mit nach Hause gebracht habe. Wenn ich es folglich regelmäßig packen würde, hätten wir selbst mit dieser Mannschaft noch Aufstiegschancen. ;-) Nun war wieder Kultzeit angesagt, zumal ich wußte, das mehrfach verschobene Spiel beim traditionsreichen Schlußlicht Borussia Neunkirchen würde weichenstellend für den weiteren Saisonverlauf sein und ein Dreier könnte uns tabellarisch und mental erst einmal aus dem ärgsten Schlamassel herauskatapultieren. Gesagt, getan, ich "sattelte" den Silberpfeil und verließ guter Dinge um 14 Uhr die verbotene Stadt in Richtung der heimlichen saarländischen Hauptstadt - so empfinden es wenigstens die noch verbliebenen drei Dutzend eingefleischten Borussen-Fans. Außer böigem Wind, den mein Burgman gekonnt meisterte, gab es keine erwähnenswerten Vorkommnisse auf meiner 4-Länder-Highway-Tour durch Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland, so daß ich bereits kurz nach 16 Uhr die ersten Resthalden und Schlotrelikte der Neunkirchener "Weltstadt mit Schmerz" vor mir sah. Noch ein wenig Sightseeing und Futterreste verdrücken (Ihr glaubt gar nicht, was ich so alles unter die Sitzbank packe!), dann ging es zielstrebig in Richtung Ellenfeld, gut beschildert und nicht zu verfehlen. |
Zehn Minuten nach dem Schlußpfiff - auf einmal hatten sich wieder alle so richtig lieb - noch ein Schlüsselerlebnis: ein OFC-Fan, der zuvor 90 Minuten lang auf der Gegengerade in bemerkenswerter Stimmlage mit jenem so Pavarotti-verdächtigen Alkohol-Timbre nur geschimpft und gepöbelt hatte ("Berndroth, Du S...!", "Naciri, Du A........!", "Fossi, Du W....!"), entdeckte nunmehr sein Herz für einen der Meistgescholtenen: unmißverständlich forderte er den sich gerade am Spielfeldrand unterhaltenden Naciri auf, sofort zum Zaun zu kommen. Dieser leistete - leicht verunsichert dreinschauend - brav dem Kommando Folge und wurde mit einem mehr als herzlichen Händedruck entlohnt. Küßchen blieben dem geplagten Kickers-Crack wohl nur deshalb erspart, weil der trennende Zaun Schlimmeres verhinderte. Strahlend verließ der bierselige Fan den Ort des Geschehens und versicherte lautstark und sehr überzeugend seinem Kumpel: "De Naciri, des is en eschte Offebäscher. Den pfeif isch net mehr aus!" Mal sehen, ob er sich gegen Hoffenheim noch an dieses Versprechen erinnert. |
Nun, die ehemals prosperierende Bergbaustadt an der Saar, nach der immerhin ein vielbefahrenes Autobahnkreuz benannt ist, zählt - man höre und staune - tatsächlich etwas über 50.000 Einwohner und hat etwas, wenngleich sie zunächst recht provinziell wirken mag. Was, das ist schwer zu formulieren. Ich möchte es mit einem gewissen Charme längst vergangener Zeiten umschreiben, von dem heute nur noch Ansätze sichtbar sind. Das erinnert mich ein wenig an das sagenumwobene Timbuktu: dereinst eine blühende, goldene Metropole des alten Königreichs von Mali mit pulsierendem Leben, ist längst eine verfallende Wellblechstadt ohne Flair und Ausstrahlung daraus geworden. Ganz so übel ist es Neunkirchen nicht ergangen, allerdings spürt man überall, daß da mal mehr gewesen sein muß. Zu Zeiten des florierenden Saar-Bergbaus und Hüttenwesens ist es sicher auch kein deutsches Beverly Hills gewesen, wohl aber eine Stadt mit mehr Lebenskraft, Optimismus und Perspektiven. Das Ellenfeldstadion ist ein richtiges Schmuckstück, ein wunderschönes Fußballstadion, das immerhin 30.000 Zuschauer faßt. Wäre es voll, könnte sich hier eine richtige Betzenberg- oder Bieberer-Berg-zu-besten-Zeiten-Atmosphäre einstellen. Irgendwie beschleicht einen, nicht nur, wenn man den riesenhaften, gußeisernen lokalen Fußballhelden vor dem Eingang bestaunt, sondern auch im weiten Rund der schmucken Kampfbahn eine nostalgische Ahnung, daß sich hier einst Großes abgespielt haben muß. In der Tat war Neunkirchen bis Mitte der 70er-Jahre eine der ersten südwestdeutschen Fußballadressen. Hier nur einige Erfolgsdaten: Mitglied der Fußball-Bundesliga 1964/65, 1965/66, 1967/68; Teilnehmer an der Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga 1964, 1967, 1971, 1972, 1974; Meister der Regionalliga Südwest (zweithöchste Spielklasse) 1964, 1967, 1971, 1972, 1974; Meister der Oberliga Südwest (höchste Spielklasse) 1962; Vizemeister der Oberliga Südwest 1959, 1960, 1961; DFB-Pokal-Endspielteilnehmer 1958/59. Leider ist von diesem Glanz nicht viel geblieben, nur eben das schmucke Stadion der mir durchaus sympathischen schwarz-weißen Saarfußballer und eben die wehmütige Erinnerung an große Zeiten. |
Leider wartete ich am Dienstag vergeblich auf die strömenden Zuschauermassen - im Derby gegen die eher ungeliebten Saarbrücker im August 2002 waren es immerhin 12.000 gewesen -, die einem Regionalligaspiel zweier Traditionsklubs den würdigen Rahmen hätten geben können. Schließlich verloren sich 500 Zuschauer - darunter 200 OFC-Fans - im weiten Rund dieses genialen Stadions, fast beschämend, auch wenn Neunkirchen abgeschlagenes Schlußlicht ist. Ich aber war bester Laune und beschloß, dieses "Geisterspiel" einfach zu genießen, wenngleich es mir die 22 kickenden Akteure - bester Mann auf dem Platz war lange Zeit der recht souveräne Schiedsrichterjungspund Brych - zunächst mit plan- und ziellosem "Rumpelfußball", wie man ihn von unserem OFC bereits hinlänglich gewohnt ist, nicht leicht machten. Viel Kampf und Krampf, wenig Klasse und kaum durchdachte Aktionen auf beiden Seiten kennzeichneten die Partie über weite Strecken. Allerdings spielte auch Kommissar Zufall mit in Form heftiger Windböen, die für manchen Querschläger aber auch für die eine oder andere von insgesamt eher wenigen Torchancen sorgten. Die Saarländer wirkten zwar motiviert und zeigten sich gewillt, gegenzuhalten, hatten aber spielerisch nur Hausmannskost zu bieten und erwiesen sich - obwohl immer wieder angetrieben vom hünenhaften Spielertrainer Andreas Golombek - schon als eine der schwächsten Mannschaften der Regionalliga Süd. |
mehr über die "Eisernen" Saarländer erfahrt Ihr auf der Vereinshomepage |
Lange roch es verdächtig nach unserem "Lieblingsergebnis", von selbstironischen OFClern im spärlich gefüllten Gästeblock schon kreativ "gefeiert", als sich mit Angelo Barletta ausgerechnet ein Defensivmann ein Herz faßte und mit einem Sonntagsschuß genau in den linken Torwinkel den OFC auf die Siegesstraße brachte. Dabei kam dem Kunstschützen zugute, daß die Saarländer mit Sascha Purket einen höchstens 1,75 Meter "kleinen" Torsteher zwischen den Pfosten haben, dem etwa 10 cm fehlten, um jenen Ball noch irgendwie herauszufischen. Durch dieses schöne Tor bekamen die zuvor so zerfahren wirkenden Kickers deutlich Oberwasser und wurden nun öfter in des Gegners Strafraum gesichtet als zuvor. So auch in der 83. Minute Nazir Saridogan, der im richtigen Moment gekonnt fiel und Schiri Brych zum Elferpfiff motivierte. Barletta erwies sich als cooler Strafstoßspezialist - wir haben folglich deren zwei, den derzeitigen Reservisten Patrick Falk mitgerechnet. Barletta blieb auch beim Wiederholen, Saridogan war zu früh in den Strafraum gespurtet, absolut nervenstark und versenkte das Runde zum zweitenmal im Eckigen. Die Sache war, trotz einer noch folgenden Großchance für Neunkirchen, gelaufen und der so wichtige Dreier eingefahren. Herz, was willst Du mehr?! |
Die Ellenfelder Fußballcracks haben freilich nicht bloß Tradition zu bieten, sondern auch eine preiswerte und durchaus genießbare "Rostwurst" (1,70 Euro), einen herrlich gekachelten Toilettentrakt in der Nähe des Hauptgebäudes sowie eine richtig geile, kultverdächtige Vereinshymne von den "Satanic Voices", den Ohrwurm "Go Borussia!", ein Song in bester deutscher Rocktradition, weitaus besser etwa als das einfallslose Play-Back-Gesabbere eines Alex oder Daniel Küblböck, das einem heutzutage an allen Ecken als "coole Musik" verkauft wird. |
hier eine Hörprobe von "Go Borussia!" (mit Erlaubnis der "Satanic Voices") |
Beschwingt trat ich eine Stunde später die Heimreise an, nicht ohne zuvor an einer weiteren Kultstätte, dem gigantischen, die saarländische Nacht hell erleuchtenden "SOTEC-Abfallheizkraftwerk Neunkirchen", eine ausgedehnte Freß- und Pinkelpause eingelegt zu haben. Die Rückfahrt verlief zu 95 Prozent wie geschmiert, diesmal hatte ich den immer heftiger werdenden Wind gottlob im Rücken. Unmittelbar vor dem Frankfurter Flughafen - was will man dort auch Gutes erwarten, wo Fraport finstere Pläne zur Weltverschwörung der Gummiadler zu schmieden pflegt! - holte mich freilich der angekündigte Witterungsumschwung mit Pauken und Trompeten aus der rot-weißen Verklärung in die finstere Realität des Rhein-Main-Gebiets zurück. Regenschauer, Wind- und Sturmböen ließen die letzten 15 Kilometer zur Zitterpartie werden, aber Zitterpartien sind wir OFCler schließlich gewöhnt! |
* = grauenhafter Auftritt, einfach grottenschlecht ** = eher dürftiges Spiel, am besten schnell vergessen *** = durchschnittliche Partie, einzelne positive Ansätze **** = ordentliches Fußballspiel, ausbaufähige Leistung ***** = guter Fußball, das Kommen hat sich gelohnt ****** = Klassepartie, die so richtig Spaß gemacht hat Anmerkung: Ausnahmen bestätigen die Regel, besondere Funfaktoren können durchaus zu Aufwertungen führen. ;-) |
Mein "Silberpfeil" |
Es "riecht" noch nach Bergbau in und um Neunkirchen |
Vorsichtiger Optimismus eine Stunde vor Spielbeginn: OFC-Führungsriege vor dem Ellenfeld-Stadion (links: Thomas Delhougne, rechts: Thomas Kalt) |
Stadion für Schwindelfreie mit kultigen Toiletten |
Wann gibt es schon mal Kickers-Siege zu feiern! |
Fußballhelden unter sich |