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Unter Vogelfreunden ist es bekannt, daß in einigen deutschen Parks die Baumwipfel fest in der Hand von dereinst aus der Gefangenschaft geflüchteten oder ausgesetzten Sittichen, insbesondere Halsbandsittichen, sind. Auch größere Papageienvögel - etwa Amazonen - befinden sich vereinzelt darunter und sind somit als "heimische Wildlifevögel" zu bewundern. Dies ist einerseits schön und interessant und bereichert unser Beobachtungsspektrum, ganz abgesehen davon, daß auf diesem Weg wesentliche ornithologische Erkenntnisse über die erstaunliche Anpassungsfähigkeit von exotischen Vögeln gewonnen werden können. Andererseits führt die Dominanz dieser überaus durchsetzungsfähigen Tiere zu einer beinahe "brutalen" Verdrängung einheimischer Vogelarten aus den betreffenden Parks. Bekannte Adressen sind z.B. die Wilhelma in Stuttgart, die Parkanlagen des Kölner Zoos oder der Luisenpark in Mannheim, in deren Baumbeständen sich die munteren Exoten tummeln. Ein äußerst ergiebiger Ort für bundesdeutsche Papageienforscher - vielleicht sogar der ergiebigste - ist freilich auch der Biebricher Schloßpark in der hessischen Landeshaupstadt Wiesbaden. Dort finden sich besonders in den riesigen Platanen über 800 Halsbandsittiche, aber auch Alexandersittiche, Keilschwanzsittiche, Finschsittiche, Nymphensittiche, Mohrenkopfpapageien und Amazonen, die in den Wintermonaten am besten zu beobachten sind, solange das Astwerk noch kahl und nicht von frischem Grün bedeckt ist. |
"Vogelfreie" Sittiche und Amazonen in Wiesbaden-Biebrich |
Zu dem Themenkomplex Papageien und Sittiche im Biebricher Schloßpark ist die vorzügliche Webseite von Detlev Franz zu empfehlen (auf obigen Banner klicken). Franz hat die Vögel über lange Zeiträume beobachtet und auch die Schicksale von Einzelindividuen verfolgt. Der Amazonentrupp im Schloßpark ist derzeit 10 Tiere stark. Mein Foto zeigt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das unzertrennliche Pärchen, dem Franz aufgrund eindeutiger Merkmale die Namen "Mondchen" und "Ringel" verliehen hat, vgl.: Franz beschreibt die Venezuela-Amazone "Mondchen", auf meinem Foto links mit gerade geöffnetem Schnabel zu sehen, wie folgt: "Erkennungszeichen sind auf jeder Kopfseite deutliche, an eine liegende Mondsichel oder ein Dreieck erinnernde kräftig gelbe Wangenflecken, die unter dem Schnabel miteinander - farblich blasser - verbunden sind. Die Stirn ist dunkelgrau, mit einem leichten Einschlag ins blaue. Der Flügelspiegel ist rot, der Flügelbug selten zu erkennen, vermutlich vorwiegend gelb. Am rechten und linken Fuß fehlen die Krallen der äußeren Zehen." Lebensabschnittspartner "Ringel" hingegen, eindeutig eine Blaustirnamazone, wird so charakterisiert: "Der Stirnfleck ist hellblau, der Kopf oben hellgelb. Um das Auge ist ein hellgelber Ring vorhanden, der nicht wie bei "Einzelgänger" in den hellgelben Kopffleck übergeht. Der Flügelspiegel ist rot, der Flügelbug zumindest teilweise gelb. Der Vogel ist am linken Fuß mit einem durchsichtigen Kunststoffring beringt. Auch seine Zehen zeigen Deformationen der Krallen." |
Und hier noch als kleine Zugabe einige vom Winter 2001 stammende Aufnahme aus dem Biebricher Schloßpark, die ein Pärchen Halsbandsittiche beim Verrichten der natürlichsten Neben- bzw. Hauptbeschäftigung der Welt zeigt. ;-) |
Speziell der rheinische Raum - klimatisch zu den mildesten Gegenden Deutschlands zählend - hat es den freilebenden Sittichen angetan, da sie dort wohl am besten die Winter überstehen und ihre Bruten durchbringen können. In dieses Schema paßt Köln ebensogut wie Wiesbaden-Biebrich. Und Stuttgart liegt ebenfalls in einer milden Klimazone. Von den "vogelfreien" Sittichen wußte ich lange zuvor, daß sich bei uns freilich auch Amazonen-Populationen - vereinzelt wurden sogar schon Graupapageien gesichtet - in freier Natur über längere Zeiträume behaupten können, hat mich zunächst überrascht. Wenn man sich "Mondchen" und "Ringel" auf den Fotos anschaut, aufgenommen bei Temperaturen von 3 bis 4 Grad über dem Gefrierpunkt, kommt man nicht umhin festzustellen, daß die beiden entspannt und sehr zufrieden (nebenbei auch wohlgenährt) wirken, also keineswegs unter dem deutschen bzw. "rheinischen" Winter zu leiden scheinen. |
Mondchen und Ringel, fotografiert am 8. März 2003 mit der Olympus E 100 RS und Telekonverter B-300 (bitte auf das Foto klicken) |
SKANDAL IM SCHLOßPARK Tue, Apr 01, 2003 at 11:08:20 AM, Detlev Franz wrote: Moin, Moin, gestern wollte ich am Schlafbaum der Wiesbadener Halsbandsittiche meine wöchentliche Zählung durchführen und leider hat jemand den Baum in ca. 3m Höhe abgesägt. Von den Halsbandsittichen keine Spur. Ich muss jetzt neu suchen. Hat jemand eine Ahnung wie die Rechtslage bei so was aussieht. Gibt es einen besonderen Schutz für solche Bäume? Und wo ich schon frage: Gibt es eine Rechtsgrundlage, die das Fällen von Brutbäumen während der Brutzeit verbietet? Und wenn ja, wie ist Brutzeit definiert? Das Fällen von Bäumen regelt eine lokale Baumschutzsatzung. Die Wiesbadener Baumschutzsatzung wurde im Dezember letzten Jahres ersatzlos gestrichen, das Fällen (wer macht sowas in 3m Höhe???) war somit offensichtlich rechtlich OK. |
ABGESÄGTER SCHLAFBAUM - UND SO GING ES WEITER Thu, Apr 03, 2003 at 11:19:46 AM, Detlev Franz wrote: Moin, Moin, die Stadt Wiesbaden hat folgendes zurückgemeldet: Ja, ein Schaden läge vor, es war eine illegale Aktion. Der Verursacher ist bekannt und gegen den Verursacher wird allein schon wegen dem Schaden am Baum vorgegangen. Die Tatsache, dass es sich um einen Schlafbaum handelt wird dabei verschärfend auswirken. Die Presse hat bei der Pressestelle der Stadt angerufen und folgendes zusätzlich erfahren. Bei dem geständigen Täter handle es sich um einen Schiffsausstatter, der am Hafen Schiffe liegen hätte. Diese seien von den schlafenden Halsbandsittichen bekleckert worden, was den Schiffsausstatter störte. Zu erwarten ist ein Gerichtsverfahren bei dem u.a. die Kosten für eine neue Platane eingeklagt werden sollen. Der Umfang des alten Baumes betrug 145 cm ich vermute das allein wird nicht ganz billig. Was ist aus den Papageien geworden? Diese haben sich - wie ich mir es schon dachte - einen neuen Baum in nicht allzu weiter Entfernung gesucht. Dieser Baum ist doppelt so hoch und birgt damit ein geringeres Risiko gegen Störungen von unten, dagegen ein höheres Risiko in Bezug auf Greifvögel und Eulen. Der Einflug war etwas ungewohnt, offensichtlich müssen sich die Halsbandsittiche noch an den Baum gewöhnen. Nach meiner groben Schätzung saßen gestern die zu erwartenden 500 Halsbandsittiche auf dem Baum. |
Was geht denn hier ab, und das in einer öffentlichen Parkanlage?! ;-) |
Bei näherem Hinschauen erhärtet sich der "schreckliche" Verdacht ;-) |
bitte auf dieses Bild klicken |
Und hier noch zwei Meldungen vom April aus dem German Birdnet, die zeigen, welche Idioten in unseren Breiten stoffwechseln. Ich bitte die drastische Ausdrucksweise zu entschuldigen aber lest selbst, zu welch blödsinnigen Aktionen manche Mitbürger fähig sind, wenn sie sich durch Tiere gestört fühlen: |





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