Exotische Vogelwelt der Wetterau: ein neuer Gast
Ein Hauch von Afrika umweht - ornithologisch betrachtet - mal wieder das
kleine Flüßchen Horloff in der Wetterau. Bis vor kurzem waren - wie von mir
an anderer Stelle geschildert - 41 Nilgänse und eine in hiesigen Breiten
überaus seltene, eigentlich aus Südafrika stammende Graukopfkasarka
wochenlang Dauergäste in der Aue von Reichelsheim (auch Reichelsheimer
Mähried genannt) in der Nähe des kleinen aber stark frequentierten
dortigen Flugplatzes.

Dann war die muntere Gänseschar plötzlich zehn Tage lang wie vom
Erdboden verschluckt und man sah, außer einem halben Dutzend
versprengter "Restnilgänse" auf den Feldern in der Nähe des Bingenheimer
Rieds, nur noch die üblichen zweihundertfünfzig Graugänse und einige
Saatgänse in der Gegend. Die Kasarka freilich - Verwechslung fast
ausgeschlossen - wurde unterdessen im Marburger Raum gesichtet,
wiederum (natürlich!) unter einem Trupp Nilgänse, diesmal aber "nur"
28 Vögel stark.

Doch nunmehr (Stand: 1. März 2003) kampieren, so als sei nichts gewesen,
an alter Stelle in der Reichelsheimer Aue wieder reichlich Nilgänse, diesmal
exakt 50 Stück. Und wieder haben die in Europa längst weit verbreiteten
"Ägypter" einen Fremdling in ihren Reihen wohlwollend aufgenommen,
diesmal zwar keine Kasarka, dafür aber mit einer weiblichen Rostgans
(Tadorna ferruginea) eine enge Verwandte der Kasarka.















Augen geradeaus und im Gleichschritt marsch!


Die Heimat der Rostgans reicht normalerweise von Nordafrika über
Südeuropa bis Zentralasien. Sie liegt im Größenverhältnis zwischen
Graugans und Stockente und ist den mittelgroßen Halbgänsen zuzuordnen.
Kopf, Schnabel und der relativ kurze, gekrümmte Hals sind entenähnlich, die
Rumpfpartie mit den ziemlich weit vorne stehenden Beinen hingegen
gänseähnlich. Bei fast gleicher Gefiederfärbung der Geschlechter zeigt der
Ganter im Brustgefieder einen schwarzen Halsring.

Möglicherweise handelt es sich bei der Reichelsheimer Rostgans um einen
Gefangenschaftsflüchtling, beringt ist der für unsere Verhältnisse eher
ungewöhnliche Vogel freilich nicht. Die robusten aber ein wenig streit-
süchtigen Rostgänse - ein revierbeanspruchender Ganter hätte wohl kaum
Aufnahme in die Nilganskolonie gefunden, zumal Nilgänse auch dafür
bekannt sind, sich wenig gefallen zu lassen - finden sich in unseren Breiten
überwiegend in Zoos und ornithologisch kontrollierten Parkanlagen, nicht
jedoch als klassische Wildlifevögel.

Ich werde die "multikulturelle" Gänsefauna der Wetterau in den nächsten
Wochen weiter mit großem Interesse verfolgen.
Und was erblickte ich am 1. März noch, als ich wutentbrannt - ein Bauer
hatte mir mit seinem Traktor und einer wilden Querfeldeinfahrt - gerade
vorübergehend die Gänse weggetrieben - einmal den Blick zum Himmel
richtete? Jawohl, einen kleinen Kranichtrupp von 8 Tieren auf dem
Frühlingszug in Richtung Norden. Rasch stelle ich Euch noch mein so
entstandenes erstes Kranichfoto 2003 vor. Aber die Kraniche sind ein
anderes Thema und werden von mir hier behandelt.
alle Dokufotos (teilweise starke Ausschnittvergrößerungen) wurden am 1. März 2003 in der
Reichelsheimer Aue bei bedecktem Himmel mit der Olympus E 100 RS gemacht
mutterseelenallein im "Land" der Nilgänse ;-)
weitere Dokufotos aus dem "Nilgansdorado" bei Reichelsheim vom 1. März 2003