Glückspilz mit Stacheln

Glück im Unglück hatte anscheinend dieser Igel, der in einer späten Augustnacht wie ein Häufchen Elend
zusammengerollt mitten auf der Landstraße zwischen Heuchelheim und Gettenau (Wetterau) lag.
Augenscheinlich hatte ihn ein zuvor im Höllentempo vorbeirauschendes Auto knapp verfehlt, weshalb sich
der stachelige Zeitgenosse wohl im Schockzustand befand und es für angebracht hielt, sich erst einmal tot
zu stellen. Nach einigen Minuten rappelte sich der Igel - einem angezählten Boxer gleich - allmählich
wieder auf (Foto) und schickte sich zögernd an, die gefährliche Fahrbahn in Richtung Feld zu verlassen.

Dabei hatte er mehr Glück als rund 500.000 seiner Artgenossen, die jährlich auf unseren Straßen ihr Le-
ben aushauchen, ganz zu schweigen von unzähligen verwaisten Igelsäuglingen, die ohne Mutter qualvoll
umkommen. Der Igel ist ein Musterbeispiel dafür, dass instinktives, dem natürlichen Lebensraum opti-
mal angepasstes Tierverhalten vielfach mit der modernen Technik nicht in Einklang zu bringen ist. Das
genetisch vorgegebene reglose Ausharren und Stachelzeigen beeindruckt leider den mörderischen Auto-
Breitreifen nur wenig. Hinzu kommt der tragische Umstand, daß es die nachtaktiven Stachelträger immer
wieder zur Straße zieht, weil sie gerade dort reichlich Insekten vorfinden, die ihrerseits vom abends noch
Wärme abstrahlenden Asphalt angelockt werden.

Betrachten wir unseren noch einmal mit dem Schrecken davongekommenen Wetterauer Igel als Symbol
für die Tragödie, die seiner Spezies permanent im Straßenverkehr widerfährt, wird uns bewußt, dass es
sich hier eben nicht nur um ein einzelnes, völlig unbedeutendes Igelschicksal handelt.
Hier noch zwei Links zu meinem Igel-Erlebnis
Wissenswertes über Igel erfährt man hier