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Kranichlandschaft Wetterau Ein Hauch von Mecklenburg-Vorpommern wehte zwischen dem 5. und dem 9. November 2002 über der Wetterau, als rund 7.000 Kraniche auf ihrem Weg in die spanischen und französischen Winterquartiere fünf Tage lang in der Horloffaue rasteten. Das Rastzentrum lag beim Unteren Knappensee in dem Dreieck Grund-Schwalheim - Unter-Widdersheim - Utphe. Allerdings schwärmten die majestätischen Vögel tagsüber zur Nahrungsaufnahme in die gesamte Umge- bung aus und waren in südlicher Richtung bis Florstadt überall auf den Feldern und Wiesen zu beobachten. Kaum jemand aus der Region wird in diesen Tagen keine Kraniche beobachtet haben, die am Boden sowie in den charakteristischen Ketten- und Keilformationen in der Luft überall präsent waren. Und wer sie tatsächlich nicht erblickt hat, der konnte ihr typisches Trompeten hören, mit dem sie sich untereinander verständigen. |
Hier geht es zu meiner Fotogalerie "Kraniche in der Wetterau" mit zahlreichen Bildern und Beschreibungen: |
Zu meinem Kranichartikel im Natur Lexikon mit vielen Infos und Links, in dem auch die Kranichrast in der Wetterau erwähnt ist: |

Zu meinen Kranichfotos sowie Kranichsich- tungen vom Herbst 2002 auf der Homepage von Norbert Kühnberger (bitte dort etwas nach unten scrollen): |
Ein mehrtägiges Verweilen der anmutigen, aber so unendlich scheuen Glücksvögel in dieser atemberaubenden Menge ist für die Wetterau ein absolutes Novum. Die Rekordmarke hatten bis dahin ca. 2.000 Kraniche gehalten, die drei Jahre zuvor - lediglich für einige Stunden freilich - in der Berstädter Wiese beim Unteren Knappensee rasteten. Zwischen dem 12. und 20. Oktober 2002 hatten übrigens bereits 270 Kraniche, die Vorhut sozusagen, eine ausgiebige Rast im Gebiet um den Unteren Knappensee eingelegt. In diesen Tagen entstand u.a. auch mein Foto Kranichformation am Abendhimmel, das auf verschiedenen Fotoseiten im Internet starke Resonanz erfuhr. |
Die tiefen Wolken und der ungünstige Wind - Kraniche benötigen Nordostwind, um ohne zu heftigen Kraftaufwand nach Südwesteuropa zu gelangen - hatten die großen Grauen im November 2002 beim Überflug bewogen, eine Pause auf ihrem Herbstzug einzulegen und die reizvolle Wetteraulandschaft für einige Tage zu genießen. Die weiträumige, großflächige Landschaftsstruktur sowie die überschwemmten Wiesen in der Mittleren Horloffaue ließen den Kranichen das Gebiet wohl als recht attraktiv erscheinen. Sie verbringen übrigens gerne die Nächte bis zu 40 Zentimeter tief im Wasser stehend, was einen gewissen Schutz vor poten- ziellen Feinden bietet. |
Schon in dem Ende 1991 von der Stiftung Hessischer Naturschutz herausgegebenen, bemerkens- werten Buch Die Wetterau - Felder, Auen und Visionen wurde festgestellt, daß sich allmählich eine Rasttradition in der Region herausbildet. Diese hat sich ganz offensichtlich mit dem letztjährigen Kranichzug noch verstärkt. Das ist etwas ganz besonderes und sollte wie ein zartes Pflänzchen gehegt und gepflegt werden, da es zu einer Art Visitenkarte der Wetterau werden könnte, wenn sich hier jedes Jahr eines der phantastischsten Naturschauspiele überhaupt ereignen würde. |
Dazu gehört freilich auch, daß die große Fluchtdistanz der scheuen Tiere respektiert wird und man sie nicht unnötig aufscheucht. Gerade Jogger, Radfahrer und besonders Fußgänger, die ihre Hunde ausführen, sollten sich äußerst vorsichtig verhalten und die Nähe der rastenden und äsenden Kranichgruppen meiden. 800 Meter Abstand müssen unbedingt gewahrt und Hunde am besten ganz ferngehalten werden, damit sich bei den Kranichen einprägt, daß sie nichts zu befürchten haben. Da sie ohne weiteres 30 Jahre alt werden können und jedes Jahr den gleichen Zugkorridor benutzen, werden sie im Zweifelsfall am gleichen Ort wieder rasten, wenn sie dort gute Erfahrungen gemacht haben. Mit ein wenig Umsicht und Toleranz sollte es möglich sein, den gigantischen Vögeln (Größe aufgerichtet bis zu 1,25 Meter, Flügelspannweite bis 2,45 Meter) hier eine angenehme Rast zu ermöglichen, zumal es ja lediglich für kurze Zeit ist. Die nötige Sensibilität für den richtigen Umgang mit diesen sympathischen Herbstgästen war noch nicht überall vorhanden, ist aber durchaus erlernbar. |
Am Samstag, den 9. November, als für einige Stunden die Sonne herausgekommen war, sag- ten die meisten Kraniche uns für das Jahr 2002 Lebewohl und zogen weiter gen Südwesten. Nicht wenige davon werden zunächst einmal in das Gebiet um den nordostfranzösischen Lac du Der Chantecoq geflogen sein, wo wenige Tage später ca. 60.000 Kraniche (annähernd 40 % des Gesamtbestandes der westlichen Unterart!) gezählt wurden. Ein kleinerer Trupp von rund 100 Tieren, darunter außergewöhnlich viele Jungvögel, blieb allerdings in der Mittleren Horloffaue zurück und genoß die so angenehme Wetterauluft noch zehn Tage länger. |
Vielleicht dürfen wir ja schon bald wieder einige Kraniche wie im April 2002 - kleine ver- sprengte Nachzüglertrupps von 3 bis 17 Tieren rasteten damals insgesamt fast vier Wochen auf der Kuhweide und beim Reichelsheimer Flugplatz - als Kurzzeitgäste auf dem Frühlingszug begrüßen. Verfolgen wir die weitere Entwicklung mit respektvollem Interesse und hoffen wir, daß sich die Rasttradition der Kraniche in der Wetterau in den nächsten Jahren weiter verfestigt. |
Auch in der Wiesbadener Gegend verlief der Herbstzug der Kraniche 2002 recht spektakulär, siehe dazu die Berichte von Hans-Ulrich Hill auf seiner Kranichwebsite: |
Und so hört er sich an, der typische und so unvergleichliche Kranich-Sound. Wer ihn zu oft vernommen hat, kann am berüchtigten "Kranich-Tinnitus" erkranken ;-) |